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Extreme Nabelschnur

 

Einer Besatzung des Notarzthubschrauberstützpunktes „Christophorus 6“  gelang im Sommer 2001 auf dem Salzburger Untersberg eine besonders schwierige Rettung, die europaweit vor allem in Fachkreisen der Alpinretter  für Aufsehen sorgte. In einer außergewöhnlichen Rettungsaktion wurde ein schwerverletzter Alpinist aus der überhängenden  Südwand geborgen. Dies war nur mit einer aus mehreren Bergseilen und Tauen zusammengeknüpften „Nabelschnur“ zwischen dem Flugretter und dem „Christophorus 6“-Helikopter möglich geworden. Mit einer Fix-Bergetaulänge von mehr als 90(!) Metern wurde ein neuer Rekord aufgestellt!

 

Diese hervorragende Leistung – vor allem des Flugretters – erweckte auch in den Medien großes Aufsehen. Dass solche Aktionen keine Normbergeverfahren darstellen, versteht sich von selbst. Als Heeresbergführer verfügte der Flugretter trotz seiner jungen Jahre über jenes Maß an Erfahrung, um diese Bergung „90 Meter unter dem Brummer“ durchführen zu können.

 

Nun, was hatte sich ereignet? Eine Alpinistin war bei einer Klettertour auf dem Untersberg ins Seil gestürzt und hatte sich dabei schwer verletzt. Sie hing, vom Partner gesichert, hilflos in der Südwand. Nach der Alarmierung des Notarzthubschraubers „Christophorus 6“ auf dem nahegelegenen Flughafen Salzburg-Maxglan erkundete die Crew die Unglücksstelle im langsamen Vorbeiflug. Erste Beurteilung der Besatzung: „Überhängendes Gelände, kaum zu erreichen.“ Dennoch sollte ein außergewöhnlicher Versuch gestartet werden.

 

 Um möglichst viel Gewicht zu sparen, setzte der Pilot den Notarzt und den Flugrettungssanitäter bei der Toni Lenz-Hütte ab. Auf dem Zwischenlandeplatz hängte sich der Flugretter mit einem 40-Meter-Tau unter die Maschine – doch diese Taulänge war noch immer zu kurz, um an die verletzte Frau herabzukommen. In weiterer Folge knüpfte der Flugretter Taue und Bergseile (1x 10 Meter Fixtau  ,   1x 80 Meter variables Tau) zu einer unglaublichen Länge von 0 Metern zusammen. Diese Taulänge erwies sich insofern als gefährlich, da bei auftretendem Seitenwind und bereits den kleinsten Fehlern das Pendel unter dem Hubschrauber in einem unkontrollierbaren Unterfangen ausarten könnte. Der Pilot hatte keine Möglichkeit mehr mehr, das Tauende über seine Außenlastspiegel zu sehen, da sich der Flugretter bereits im toten Winkel befand. Als kommunikative Brücke diente nur mehr die Funkverbindung.

 

Erneuter Anflug: langsam nahm der Pilot die ohnehin niedrige Fluggeschwindigkeit weiter zurück, bis nur noch ein Abstand von wenigen Metern zwischen dem Rotor und der Felswand gegeben war. Unter Ausnützung einer Rinne konnte er die EC135 noch näher an die Wand heransteuern. Weit unter dem Cockpit schwebte der Flugretter wie ein Pendel unter dem Überhang, bekam die verunglückte zu fassen und fixierte sie am bergetau. Dies war der allergefährlichste Moment bei dieser Aktion, denn es bestand für kurze Zeit eine Fixverbindung zwischen der gesicherten Bergsteigerin, dem Flugretter am Tau und dem Hubschrauber. Wäre die Maschine in diesem Augenblick von einer Windboe erfasst worden, wäre eine Katastrophe kaum mehr abzuwenden gewesen… Also war rasch der nächste Schritt zu setzen; das Kappen des Sicherungsseiles. Nach dem Durchtrennen des Seiles hing die Verletzte am Bergetau des Hubschraubers – der kühne Einsatz war gelungen! Flug zum Zwischenlandeplatz, Erstversorgung, Transport ins Krankenhaus, alles nur mehr Routine…

(c)by Josef Platzer